Wenn der Abend nach Whisky schmeckt
Jens stellt die Gläser auf das Tastingbrett. Keitumer Ulme. Man könnte darüber jetzt eine längere Geschichte erzählen, aber dafür ist später noch Zeit. Vor uns stehen erst einmal die Whiskys.
Es ist Mittwoch, kurz vor 18 Uhr, bei FASMAS in Westerland.
Jens schenkt ein.
Nach und nach kommen die ersten Gäste dazu. Manche kennen sich, andere sehen sich an diesem Abend zum ersten Mal. Einer kennt sich mit Whisky ziemlich gut aus, der Nächste weiß vor allem, dass er ihn gerne trinkt. Das reicht vollkommen.
Denn ziemlich schnell passiert das, was einen guten Abend ausmacht: Man kommt ins Gespräch.
Über den Whisky natürlich. Über Schottland, Fässer, Rauch und die Frage, warum der eine genau das großartig findet, was dem anderen überhaupt nicht schmeckt. Es wird probiert, verglichen, gefachsimpelt und widersprochen. Und irgendwann geht es längst nicht mehr nur um Whisky.
Vielleicht erzählt jemand von dem Restaurant, in dem er am Vorabend gegessen hat. Ein anderer ist für ein langes Wochenende aus Hamburg auf die Insel gekommen. Wieder jemand verbringt seit Jahren seine Ferien auf Sylt und hat längst seine ganz eigenen Lieblingsplätze.
Aus einem Tasting wird ein Treffen.
Und genau das macht den Mittwoch bei FASMAS so angenehm.
Schottland, Dänemark, fast die ganze Welt – und eine ganz besondere Flasche
Was Jens auf die Keitumer Ulme(Tastimgbrett) stellt, folgt keinem starren Programm. Kleine, besondere Abfüllungen sind ebenso dabei wie ausgewählte dänische Whiskys und Entdeckungen, die man nicht in jedem Regal findet. Mal elegant und weich, mal kräftig und würzig, mal mit ordentlich Rauch.

Es geht nicht darum, eine möglichst prominente Reihe von Etiketten aufzustellen. Interessanter sind die Flaschen, bei denen es etwas zu entdecken und zu erzählen gibt.
Und dann gibt es natürlich noch den hauseigenen FASMAS Whisky.

Der hat eine ganz besondere Geschichte. Eine, die wir an dieser Stelle bewusst nicht erzählen. Denn genau dafür ist Jens da. Am Mittwochabend erzählt er, wie dieser Whisky zu FASMAS kam und was ihn besonders macht.
Zuhören, probieren und selbst abfüllen inklusive.
Und spätestens dann bekommt Whisky etwas Persönliches. Man hat nicht einfach irgendeine Flasche vor sich, sondern kennt plötzlich ihre Geschichte.
Whisky ist kein Vokabeltest
Überhaupt muss an diesem Abend niemand beweisen, dass er den Unterschied zwischen verschiedenen Fassarten schon an der Nase erkennt.
Jens erzählt von Herkunft, Machart und Besonderheiten der einzelnen Whiskys, beantwortet Fragen und lässt genügend Raum für die wichtigste Disziplin des Abends: selbst probieren.
Erst riechen. Dann ein Schluck.
Und ruhig noch einmal.
Beim zweiten Mal schmeckt manches plötzlich anders. Mehr Holz vielleicht, etwas Frucht, Vanille oder eine Süße, die beim ersten Schluck noch gar nicht da war. Der Nachbar am Tisch entdeckt möglicherweise etwas vollkommen anderes.
Umso besser.
Wer sich auskennt, kann wunderbar fachsimpeln. Wer bisher wenig über Whisky weiß, hört zu, fragt nach oder entscheidet schlicht: Der schmeckt mir.
Geschmack braucht schließlich keine Prüfungskommission.
Ein Mittwochabend auf Sylt
Vielleicht passt genau diese Ungezwungenheit so gut zur Insel.
Wer auf Sylt Urlaub macht, darf den Kalender schließlich ein wenig aus den Augen verlieren. Ganz gleich, ob man für einen Kurztrip aus Hamburg gekommen ist, zwei Wochen bleibt oder schon seit Jahren immer wiederkommt.
Irgendwann verändert die Insel das Tempo.
Man war am Strand, hat sich den Wind um die Nase wehen lassen, ist durch Westerland geschlendert – und plötzlich ist es Mittwoch, kurz vor sechs. Warum also nicht einfach noch bleiben?
Ein Glas wird zum zweiten. Aus einer Frage über Whisky entwickelt sich ein Gespräch. Menschen, die sich eine Stunde zuvor noch nicht kannten, sitzen zusammen, lachen, diskutieren und tauschen ihre Sylt-Geschichten aus.
Genau darin liegt der Charme dieses Abends.
Man kommt wegen des Whiskys. Und bleibt vielleicht wegen der Menschen.
Und dann ist da noch der Humidor
Ein paar Meter weiter wartet noch eine andere Genusswelt.
Im Humidor von FASMAS lagern ausgewählte Zigarren. Sie gehören nicht nur zum Mittwoch und sind unabhängig vom Whisky-Tasting erhältlich. Wer möchte, sucht sich eine aus und genießt sie draußen.
Auch dafür sollte man etwas mitbringen, das im Urlaub glücklicherweise leichter zu finden ist als im Alltag: Zeit.
Whisky und Zigarre passen nicht zusammen, weil irgendeine Genussregel es so vorschreibt? Sie teilen vielmehr eine angenehme Eigenschaft: Beide vertragen keine Eile.
Eine Zigarre lässt sich nicht sinnvoll zwischen zwei Termine quetschen. Ein guter Whisky eigentlich auch nicht.
Und so sitzt man vielleicht draußen, die Zigarre in der Hand, das Gespräch vom Tasting noch längst nicht beendet. Es geht weiter über Whisky, über Sylt, über gutes Essen oder irgendwann über etwas vollkommen anderes.
Niemand muss irgendwo dazugehören. Man setzt sich dazu, probiert, hört zu, erzählt und merkt irgendwann, dass man sich ziemlich wohlfühlt.
Vielleicht ist das der eigentliche Luxus.
Nicht allein der Whisky im Glas. Nicht die Zigarre aus dem Humidor. Sondern ein Abend, an dem man interessante Menschen kennenlernt, gemeinsam genießt und für ein paar Stunden überhaupt keinen Grund hat, schon wieder aufzubrechen.
Mittwoch, kurz nach sechs.
Auf der Keitumer Ulme stehen inzwischen mehrere Gläser. Die Gespräche haben längst ihre eigenen Wege genommen.
Jens hört einen Moment zu.
Jeden Mittwoch 18 Uhr. Whisky Tasting bei FASMAS für 69 Euro p.Person.
Anmeldung im Laden oder per email: hej@fasmas.com
